Denkraum der Freiheit, Lebensraum der Gnade

„Freiheit kann es in einem Land nur dann geben, wenn es auch ein Paradies für Ketzer ist.“ Mit diesem bemerkenswerten Satz eröffnete der evangelische Bischof Michael Bünker die Europäischen Toleranzgespräche 2017, die unter anderem auch das 500-jährige Jubiläum der Reformation behandelten. Allerdings habe die Freiheit zu Luthers Zeiten eine ganz andere Bedeutung gehabt und würde heute von ihm heute wahrscheinlich nicht verstanden werden, meinte Bünker.

Der katholische Bischof Alois Schwarz betonte, heute sei es mehr denn je dringend notwendig, den Zwängen unwürdiger Bedingungen wie etwa Not, Hunger, Armut oder Einsamkeit entgegenzutreten. Doch gleichzeitig müssten wir auch den menschlichen Egoismus und die Machtgier zurückdrängen. Dadurch entstehe nicht nur ein Denkraum der Freiheit, sondern ein Lebensraum der Gnade.

Während Schwarz v.a. auf die Bedeutung der inneren Freiheit aufmerksam machte, forderte Christine Muttonen, Vorsitzende der parlamentarischen OSZE-Versammlung, den Umgang mit Freiheit nicht nur Regierungen und Allianzen zu überlassen, sondern Parlamente und die Zivilgesellschaft verstärkt einzubinden. „Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs haben wir uns in Europa vom Prinzip der militärischen Abschreckung verabschiedet und auf Sicherheit durch Vertrauensbildung und Kooperationen gesetzt. Diese Sicherheit steht jetzt auf dem Spiel“, so Muttonen.

Die Aspekte der Freiheit sind vielfältig und ihre Zukunft vor allem in Zeiten stärker werdender autoritärer Strömungen nicht ganz so gewiss wie noch vor einigen Jahren. Deshalb seien die Toleranzgespräche nicht nur ein Forum zum Austausch, sondern eine wertvolle Gelegenheit zur gegenseitigen Ermutigung, tapfer aufzustehen und sich für die Freiheit einzusetzen, meinte Manfred Sauer, Superintendent der Evangelischen Kirche in Kärnten und Osttirol und Obmann des Veranstalters Denk.Raum.Fresach. (sk)

Im Bild: Lebendige Ökumene mit dem evangelischen Pfarrer von Fresach, Ralf Isensee, und dem katholischen Pfarrer von Weißenstein, Stockenboi und Fresach, Monsignore Helmut Gfrerer.

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