Exodus – Auszug aus dem Vertrauten

Warum wir Klimawandel und Migration als Chancen begreifen sollten.

Die radikalen Veränderungen in Wirtschaft und Umwelt zwingen den Menschen, lange Zeit erprobte Lebens- und Verhaltensweisen zu überdenken. Vom Klimawandel betroffen sind die großen Städte ebenso wie ländliche Regionen, mit gravierenden Folgen für die gesamte Lebensmittel- und Energieproduktion. Die industrialisierte Welt steht auf auf dem Kopf, und einmal mehr muss sich der Mensch fragen, wie er der fortschreitenden Zerstörung seiner eigenen Lebensgrundlagen Herr werden kann.

Zwei ganz große Themenkomplexe werden Politik und Gesellschaft, Europa und seine Mitgliedstaaten, in den nächsten Jahren beschäftigen – eben Klimawandel und Migration. Beide bergen ausreichend Sprengstoff für neue Konflikte, aber auch unglaubliche Chancen für ein radikales Umdenken unserer auf Industrie und Wohlstand aufgebauten Gesellschaft. Da sind neue Ideen, Konzepte und politsche Ansätze gefragt. Solche brauchen wir für die Neugestaltung Europas, aber auch für unsere Beziehungen zu jenen Nachbarn, die von Ausbeutung und Krieg betroffen sind.

Die Europäischen Toleranzgespräche 2020 widmen sich einem bekannten biblischen Motiv, dem Exodus, und dies ist durchaus positiv und zukunftsorientiert gemeint. Der Auszug aus Ägypten war für die Israeliten ja ein Abschütteln der Sklaverei und ein Aufbruch in eine neue Zukunft. Genau das ist für uns, für Europa, für die demokratische Welt ein ständiger Auftrag, denn nichts ist schlimmer als das Verharren im Vertrauten, aus Angst vor Veränderung.

Die heurigen Toleranzgespräche finden in der Pfingstwoche statt – zeitgleich mit dem Österreichischen Städtetag vom 27. bis 30. Mai 2020. Das ist auch der Grund, warum einige Veranstaltungen anders als sonst – in der Fachhochschule Villach stattfinden – das Schülerforum am Mittwoch 27. Mai vormittag und das Tourismusforum am Nachmittag. Dafür ein aufrichtiges Danke an die Mitveranstalter und Partner von der FH Kärnten. Beide Veranstaltungen werden sich der Frage „Mensch & Umwelt – Wer braucht wen“ widmen und der „Utopie des Reisens“ und dem „Abenteuer Erde“ auf den Grund gehen.

Das Generalthema „Exodus – Auszug aus dem Vertrauten“ wird am 28. Mai im Toleranzforum mit Referaten, Diskussionen und Panels im Toleranzmuseum Fresach gründlich hinterfragt. Der „Bürgerdialog“ auf dem Museumsplatz soll dabei wieder echte Ergebnisse produzieren, die in der „Fresacher Charta“ niedergeschrieben werden. Die Toleranzpreisvergabe 2020, Lesungen, Konzerte und Kuchl-Kamin-Gespräche in Privathäusern runden am Abend den zweiten Tag ab.

Im Wirtschaftsforum am Freitag 29. Mai geht es um die Frage, wie ein „Neustart“ gelingen könnte, konkret anhand der Beispiele Autoindustrie, gerechtere Steuern oder Landwirtschaft. Ein literarischer Ausflug um die Mittagszeit soll die Kreativität beflügeln. Der Abend steht im Zeichen des traditionellen Poetry Slams mit dem Thema diesmal „My Way out“, und das Toleranzfrühstück (Dichterforum) am Samstag 30. Mai bietet nochmal Gelegenheit, mit den anwesenden Autoren Meinungen auszutauschen. Die Veranstalter freuen sich über rege Teilnahme. Tickets können schon jetzt geordert werden. (ws)

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