Seyran Ateş eröffnet Toleranzgespräche 2021

Die bekannte türkisch-deutsche Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ateş wird die Europäischen Toleranzgespräche 2021 im Kärntner Bergdorf Fresach eröffnen. Ateş ist Initiatorin und Mitbegründerin der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin, die sich um eine zeitgemäße und geschlechtergerechte Auslegung des Koran bemüht. Für ihre interkulturelle Arbeit erhielt sie zahlreiche internationale Auszeichnungen, aber auch Morddrohungen.

Seyran Ateş war Mitglied der Deutschen Islamkonferenz und des Integrationsgipfels der Bundesregierung in Berlin. Wegen ständiger Anfeindungen und Morddrohungen ihrer islamkritischen Ansichten und ihrem Einsatz für einen eigenen Straftatbestand Zwangsverheiratung gab sie im Jahr 2006 vorübergehend ihre Anwaltszulassung zurück und zog sich 2009 ganz aus der Öffentlichkeit zurück. Drei Jahre später nahm sie ihre Anwaltstätigkeit wieder auf und vertritt seither vor allem hilfesuchende Frauen. 2009 hatte sie die Idee zur Gründung einer liberalen Moschee, in der Frauen und Männer gemeinsam beten dürfen. 2017 wurde die Moschee eröffnet, die von Seyran Ates geführt wird und in der Seyran Ates selbst hin und wieder predigt. Ihr Buch „Selam, Frau Imamin“ wurde ein Bestseller.

In Fresach wird die streitbare Rechtsanwältin über ihre Positionen zu Europa und dem Umgang mit ethnischen Minderheiten, aber auch politischen Extremen und Nationalismen sprechen. Seyran Ateş geht dabei nicht um eine Verurteilung von religösen oder nationalen Traditionen, sondern um Aufklärung und Gleichberechtigung, vor allem aber um ein Ende der Diskriminierung und Unterdrückung von Frauen. Ihr integrations- und sozialpolitisches Engagement erschöpft sich nicht allein in Toleranz und Akzeptanz gegenüber Andersdenkenden, sie fordert auch ein aktives Eintreten gegen falsche Werte und überholte Vorstellungen.

Print Friendly, PDF & Email